
Dionysos in den USA!
Von Raffaele Fazio * * *
Vor ein paar Wochen war ich für einen etwas längeren Zeitraum in den Vereinigten Staaten und habe mich dort natürlich auch mit Wein beschäftigt und mit der önologischen Lage dieser Nation.
Wieder zurück in “Good ol´Germany” haben mich die Leute natürlich gefragt, wie denn die Situation bezüglich des Weins und des Genusses im Allgemeinen in den USA sei, und nicht selten wurde die vermeintliche Antwort von den Fragenden noch im gleichen Atemzug selbst gegeben: “Die haben keine Ahnung von Wein, stimmt's?!”
Nun, diese Aussage ist in vielerlei Hinsicht diskussionswürdig. Zum Einen: Nicht jeder Deutsche hat “Ahnung” von Wein! Im Gegenteil: Den Satz: ”Ich weiß, was mir schmeckt, aber ein Experte bin ich nicht” habe ich in Deutschland schon oft gehört und nicht immer hatte es etwas mit vornehmer Zurückhaltung zu tun. Zum Anderen: Wieviel wissen denn die Deutschen über den amerikanischen Wein- und Genussmarkt, um - nicht selten - mit einer gewissen Sicherheit die Unkenntnis der Amerikaner über dieses Sujet vorauszusetzen?
Ich möchte Ihnen kurz erläutern, wie es zur Zeit in den USA mit dem Weinbau und der Verfügbarkeit von Wein aussieht.
Amerikanischer Weinbau findet nicht nur in Kalifornien statt… Staaten wie Washington oder Oregon im Norden sind mittlerweile berühmt für ihren Pinot Noir, im Staat New York werden hervorragender Riesling und Merlot produziert und Texas oder New Mexico sind auch schon lange keine wirklich Unbekannten im Weingeschäft. Weitere weinproduzierende Staaten sind z.B. Ohio und Pennsylvania, Vermont, Missouri, Arizona, Virginia und Connecticut. Die Weine aus Idaho waren sogar schon vor 15 Jahren bekannt und in Frankfurt hatte damals (!) ein Lokal sogar diverse Weine aus Idaho in der Weinkarte gelistet.
Man darf auch nicht denken, dass solche Weine irgendwo in den unteren Regalreihen neben der “Liebfrauenmilch” (der viel zitierten) zu finden sind, nein, es ist überhaupt kein Problem für einen Riesling aus New York State 25 oder 30 Dollar auszugeben. In Oregon oder Washington sind auch 50 Dollar oder mehr nicht selten.
In den USA wird vom Gesetzgeber vorgeschrieben, dass Wein und Spirituosen ausschließlich in “Wine and Liquor Stores” verkauft werden dürfen (Bier ist manchmal eine Ausnahme und auch im Supermarkt gelegentlich zu finden). Diese Geschäfte haben oftmals ein wirklich erstaunliches Sortiment an Wein und Spirituosen!
In einer Weinhandlung in Minneapolis fand ich zum Beispiel nicht nur fast alle Grand Crus aus Bordeaux, sondern auch Weine von der Domaine de la Romaneé Conti oder von den besten Lagen in Beaune und Aloxe-Corton. Ein anderer Store (zugegeben: der Größte im Mittleren Westen der USA) hatte allein über 100 Deutsche Gewächse im Sortiment! Aber selbst in dem kleinen Liquor Store bei mir um die Ecke musste ich auf beinahe nichts verzichten: Riesling, Brunello, Chianti oder Weine aus Australien und Chile waren in guter und akzeptabler Auswahl vorhanden.
Worauf ich allerdings beinahe ganz verzichten mußte, waren die feinen Moscofileros, die samtigen Agiorgitikos, die erdigen Naoussas und die herrlichen Weine der schönsten Inseln des Mittelmeers… Griechischen Wein findet man in den USA selten, in Minneapolis, wo ich mich aufhielt, fast überhaupt nicht. Es gab aber durchaus ein paar Restaurants mit griechischer Küche, die auch dem hellenischen Wein Tribut zollten, so dass ich die Wartezeit mit Nemea von Palivou, Thalassitis von GAIA und Megas Oinos von Skouras angenehmer gestalten konnte.
Im Hinblick auf eine internationale Weinauswahl in den Restaurants und sogar Bars sprengen die USA oftmals alle Rekorde: Ich habe in Bars und Winebars gesessen, die nicht selten über 100 Weine gelistet hatten, davon ein Drittel bis die Hälfte auch offen im Ausschank (Zählen Sie doch einmal die Positionen auf der Weinkarte in Ihrer Lieblingsbar!), Restaurants, je nach Preisklasse, verdoppeln oder vervielfachen diese Zahl noch. Und das in einem Land, in dem man von Wein keine Ahnung haben soll!
Wein und Lebensart sind in den USA “En Vogue”… Die aktuellen Formate für Koch-Shows á la “Kerner kocht”, “Alfredissimo” oder “… das mit dem Lafer und dem Lichter…!” kommen entweder aus den USA oder finden sich doch zumindest auch dort im TV mit einer nicht geringen Anzahl an Zuschauern und Fans. Spezialitätengeschäfte findet man nicht nur in New York oder Seattle, auch wenn dort alles, was den mediterranen Gaumen und das französische Herz erfreut, ein bisschen teurer ist: In punkto Qualität muss man keine Abstriche machen! Man ist durchaus interessiert und weltoffen, auch wenn man gerne zu den einheimischen Weinen greift, Patriotismus ist eben nicht verboten und auch in Deutschland ist man sich ja der Qualität der eigenen Gewächse sehr wohl bewusst. Wäre keine Nachfrage vorhanden, gäbe es sicherlich auch nicht ein derartig großes Angebot an Weinen aus aller Welt.
Allerdings muss ich auch ein bisschen einlenken: Diese Auswahl hat auch noch einen rein marktwirtschaftlich-nüchternen Hintergrund!
Durch den langen Transportweg über den großen Teich und die Regelung, dass man als Einzelhändler, der den Endverbraucher bedient, nicht selbst importieren darf, entsteht natürlich eine Situation, die wir in Europa nicht so drastisch spüren: Um den Preis adäquat zu halten, müssen größere Mengen importiert werden! Und auch einen besseren Preis beim Winzer erhält man unter anderem durch Abnahme des ganzen Weinsortiments. Also sind die Importeure bemüht, die Container komplett zu füllen, um nicht Leerraum in die USA zu schiffen und eben diese Mengen werden dann - über eine attraktive Preisgestaltung - an den Wiederverkäufer weitergegeben. Somit leeren sich die Lagerhäuser der Importfirmen und füllen sich die Regale der Liquor Stores. Man kann eben nicht mal zwischendurch 30 Kisten Wein aus der Bourgogne nach Deutschland holen, um seinen Gästen im Restaurant einen spezielle Bouteille zu offerieren… Man ist auf Vorrat angewiesen, will man das Sortiment effektiv und nachhaltig erhalten.
Mir hat die Vielfalt in den amerikanischen Bars und Regalen gut gefallen, auch wenn kaum griechische Weine zu finden waren. Aber auch hier zu Lande sind ja unsere ausgezeichneten Griechen noch selten in den Weinhandlungen zu finden. Alles hat nun mal “seine” Zeit und während der “Schlafende Riese” Griechenland sich bereits gehörig im Internet (so wie bei uns von VINOTAURUS.COM) reckt und streckt, werden die Genießer, die all die herrlichen Weine in den letzten Jahren bei unseren Verkostungen und Events kennen gelernt haben, kontinuierlich mehr. Und wo eine Nachfrage ist, da wird auch das Angebot nicht lange auf sich warten lassen.
Wir von VINOTAURUS.COM bieten Ihnen diese Weine schon seit über vier Jahren an und freuen uns über die durchweg positive Resonanz. Und wenn Sie die schönsten Weine Griechenlands noch nicht in ihrem Weinladen entdecken konnten, dann fragen Sie doch mal den Filialleiter!
Oder kommen Sie einfach zu uns!
Unser Online-Shop, der Lagerverkauf in Frankfurt und unsere Verkostungen bieten für jeden den richtigen Weg, an die feinen Weine Griechenlands zu kommen und sich von ihrer Qualität überzeugen zu lassen!
Ihr Raffaele Fazio
|